LOADING ...

Grillkohle: Vom Baum zur Holzkohle | Wie geht das? | Reportage | NDR

889K+ views   |   5K+ likes   |   276 dislikes   |  
28:32   |   Jun 07, 2018

Thumbs

Grillkohle: Vom Baum zur Holzkohle  | Wie geht das? | Reportage | NDR
Grillkohle: Vom Baum zur Holzkohle  | Wie geht das? | Reportage | NDR thumb Grillkohle: Vom Baum zur Holzkohle  | Wie geht das? | Reportage | NDR thumb Grillkohle: Vom Baum zur Holzkohle  | Wie geht das? | Reportage | NDR thumb

Transcription

  • Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2018
  • Grillkohle ist ein uralter Stoff und Basis eines großen Trends.
  • Nach einer Statistik
  • besitzen 90 % der Deutschen einen eigenen Grill.
  • Und die Mehrheit setzt auf Holzkohle.
  • Über 200.000 Tonnen landen in Deutschland jährlich unterm Rost.
  • An der Oberweser liegt Deutschlands einzige Grillkohlefabrik.
  • Die Auflagen für Briketts sind hier so streng
  • wie das Deutsche Reinheitsgebot für Bier.
  • Für ihr "schwarzes Gold" brauchen sie vor allem zwei Zutaten:
  • Holz und Hitze.
  • Der Schweiß rinnt.
  • Köhler Arne Paysen zeigt, wie jeder Kohle machen könnte.
  • Das Verfahren gibt's seit dem Mittelalter.
  • Nach so 'ner Woche ist man geschafft.
  • Ob kleiner Meiler oder große Fabrik:
  • Der Rohstoff wächst im Wald.
  • Der Solling im Weserbergland wird durch seine Buchenwälder geprägt.
  • Hier beginnt der Weg der Holzkohle.
  • Dorle!
  • Komm her!
  • Dorle!
  • Für ihn ist das auch interessant, nur hat er kein Holz im Sinn.
  • Die Försterei Brüggefeld gehört zu den Niedersächsischen Landesforsten.
  • Heute soll mit der Holzernte begonnen werden.
  • Welche Bäume gefällt werden dürfen, entscheidet Förster Christian Lange,
  • wenn er die Stämme auszeichnet.
  • Einer von den besseren im Bestand, den nehmen wir mal als Z-Baum mit.
  • Z-Bäume – Zukunftsbäume:
  • Die sollen bestenfalls die nächsten Jahrhunderte wachsen.
  • Dann weiß der Unternehmer, wenn er mit dem Harvester kommt,
  • dass er besonders hier schonend ernten muss.
  • Um den Z-Bäumen Platz zu schaffen,
  • werden die schwächeren Bäume bei einer Durchforstung gefällt.
  • Was eine bunte Banderole bekommt, ist die zukünftige Grillkohle.
  • Ungleichmäßiges Wachstum oder ein Rindenschaden
  • entscheiden über das Schicksal einer jungen Buche.
  • Die Freilegung des Holzes darunter, durch das Abziehen der Rinde,
  • kann zu Fäulnis-Pilzen führen.
  • Das suchen wir für einen Zukunftsbaum nicht.
  • Die sollen 140 bis 180 Jahre werden.
  • Da ist eine Vorschädigung da, wo wir sagen:
  • Da fördern wir lieber den daneben.
  • Moin, Frank. Grüß dich.
  • Mit einem "Harvester" soll die Durchforstung gemacht werden.
  • Jetzt geht's los in Brüggefeld.
  • Hab dir mal die Karte mitgebracht, du kennst ja die Fläche. Alles klar.
  • Dann frohes Schaffen.
  • * Fröhliche Musik *
  • Aus so einer jungen Buche werden etwa 24 3-Kilo-Säcke Holzkohle.
  • Für die hiesige Holzkohleproduktion wird nur Buchenholz verwendet.
  • Das glüht besonders gleichmäßig und liefert das gefragte Raucharoma.
  • Der Wald ist gleichzeitig Lagerplatz.
  • Das Holz wird für ein paar Monate gestapelt,
  • bevor es ins Werk abgefahren wird.
  • Das ist eine kluge Strategie.
  • Ich hab den Polter kontrolliert anhand der Karte vom Forstamt.
  • Das passt soweit, was die Festmeter angeht.
  • Wir sind sehr zufrieden. Schön.
  • Ich würd den markieren und alles für die Abfuhr vorbereiten. Prima.
  • Dann wird's nicht mehr lange hier liegen. Alles klar.
  • Benedikt Wingen kauft Holz für den Grillkohlehersteller.
  • Wichtig für unseren Prozess ist, dass das Holz trocken ist.
  • Der Vorteil für uns: Wenn wir's im Wald liegen lassen ...
  • Das trocknet schon vor.
  • Wir sparen uns Frachtkosten, weil wir weniger Wasser transportieren.
  • Und die technische Trocknung im Werk wird erleichtert.
  • Wir müssen weniger Energie einsetzen,
  • um auf die Zielfeuchte zu kommen.
  • Um die Transportkosten niedrig zu halten,
  • achtet der Produzent darauf, dass die Wege kurz sind.
  • Die maximale Entfernung zum Werk ist auf 50 km begrenzt.
  • Das Grillkohle-Werk liegt nicht zufällig an der Oberweser.
  • Hier sind die größten Buchenwälder Deutschlands.
  • Früher diente auch der Fluss als Transportweg.
  • In Flecken Bodenfelde endet die Reise der Buchenstämme vorerst:
  • In Deutschlands einziger Grillkohlefabrik.
  • 200 km weiter nördlich:
  • Das Museumsdorf Hösseringen in der Lüneburger Heide.
  • Erst mal die Soden ausstechen, die gut durchwurzelt sind,
  • weil wir die auf jeden Fall als Meilerabdeckung brauchen.
  • Grillkohle kann jeder selbst herstellen -
  • in der Tradition der Köhler.
  • So nennt man Handwerker, die Kohle machen.
  • Dr. Arne Paysen ist gelernter Schmied.
  • Er hat Ur- und Frühgeschichte studiert und seine Doktorarbeit
  • über Energiewirtschaft im Mittelalter geschrieben.
  • So kam er zur Köhlerei.
  • Sieben Tage braucht er, um hier Kohle zu machen.
  • Wir werden in den nächsten Tagen aus ca. zehn Raummetern Birkenholz
  • Holzkohle brennen.
  • Das Holz kommt vom Museumsgelände.
  • Das sind Bäume, die weg mussten, weil sie zu nah an Häusern standen
  • oder drohten, auf Dächer zu fallen.
  • Die sind übriggeblieben.
  • Das Holz stapeln wir hier, decken es mit Erde ab, zünden es an.
  • Nach einer Woche ist es Holzkohle - ganz einfach .
  • Im Prinzip kann man aus jedem Holz Kohle gewinnen.
  • Die Struktur des Holzes wirkt sich aber auf die Qualität aus.
  • Die Grasinsel muss noch weg, bis an den Wall ran.
  • Ansonsten sind wir gut dabei.
  • Arne baut hier jedes Jahr einen Meiler.
  • Die alte Meilerstelle aufzubereiten, macht Sinn.
  • Weil die Erde bereits locker ist
  • und weil sie die Reststücke vom letzten Jahr brauchen können.
  • Einen kleinen Meiler kann jeder bauen.
  • Wenn er eine Genehmigung für offenes Feuer hat
  • und Kraft und Zeit mitbringt.
  • Wir können gleich erst mal anfangen, das Holz zu stapeln und zu spalten.
  • Was dicker ist als armdick muss unbedingt gespalten werden,
  • das kohlt sonst nicht durch.
  • Seine Freunde Kai und Lukas helfen zum ersten Mal beim Meilerbau.
  • Jetzt die nächsten Keile hinterher.
  • Das Wichtigste ist, dass man nach hinten Zeit mitbringt,
  • ein, zwei Tage.
  • Denn wie schnell ein Meiler abbrennt oder verkohlt, kann man nicht sagen.
  • Das hängt vom Wetter ab:
  • Wenn's regnet und windstill ist,
  • dauert es länger als bei Sonne und Wind.
  • Den Meiler macht man erst auf, wenn die Kohle fertig ist.
  • Man muss sich nach den Naturgesetzten richten.
  • Man kann es nicht künstlich beschleunigen.
  • Ist eine interessante Erfahrung,
  • dass man mal nicht alles unter Kontrolle hat.
  • Was Arne heute ehrenamtlich betreibt,
  • hat einst den Fortschritt der Menschheit geprägt.
  • Erst mithilfe der Holzkohle
  • konnten Eisen oder Kupfer gewonnen und verarbeitet werden.
  • Auch in seiner Schmiede nutzt Arne selbstgemachte Kohle.
  • Es rechnet sich.
  • Daher der Begriff "Kohle machen", das kommt aus der Köhlerei.
  • Wer eine Köhlerei-Berechtigung hatte und Kohle machen durfte,
  • der hatte früher ausgesorgt.
  • Für Holzkohle gab's gutes Geld.
  • Das war 'ne beliebte Arbeit,
  • was die Bauern teils nebenher gemacht haben.
  • Was hier vorbereitet wird, ist ein chemischer Prozess.
  • Holz enthält Kohlenstoff.
  • Wenn man es unter Sauerstoffausschluss erhitzt,
  • wird es zersetzt.
  • Flüchtige Bestandteile wie Wasser entweichen.
  • Übrig bleibt schwarze Holzkohle.
  • Möglichst senkrecht reinstellen,
  • sodass so gut wie keine Luft zwischen ist.
  • Rundherum immer mehr Scheite stellen
  • und die nach außen hin leicht schräger stehen lassen.
  • Bis hier ungefähr.
  • Das dicke Ende immer nach unten,
  • dass nach und nach eine Halbkugel aus Holz entsteht.
  • Das Aufbauen ist eine kleine Kunst für sich.
  • Man muss 'n bisschen puzzeln.
  • Macht man das nicht, brennt der Meiler auf einer Stelle nicht durch.
  • Dann bleibt da Holz stehen.
  • Das möchte man nicht.
  • Arne wird seinen Meiler
  • in den nächsten Tagen rund um die Uhr bewachen.
  • Beim Verkohlungsprozess entstehen nämlich Gase,
  • die Explosionen herbeiführen können.
  • Auch die Grillkohlefabrik in Bodenfelde an der Oberweser
  • läuft rund um die Uhr, an etwa 350 Tagen im Jahr.
  • Bevor das Buchenholz hier abgeladen wird,
  • wird eine Probe genommen.
  • Dafür brauchen sie Holzspäne.
  • Moin. Moin.
  • Es darf aber nicht irgendwo gesägt werden.
  • Wir brauchen die Durchschnittsfeuchtigkeit
  • von jedem Lieferanten und von unseren Holzbänken.
  • Wichtig ist, dass wir nicht am Stammende sägen.
  • Da ist das Holz trockener als in der Mitte.
  • Die Stämme müssen bis zur Mitte gesägt werden,
  • um eine durchschnittliche Feuchtigkeit zu sehen.
  • Gerd Webel misst den Wasseranteil in den Spänen.
  • Er ist der Vorarbeiter auf dem Holzplatz.
  • Der ist in Bodenfelde ziemlich groß.
  • Das liegt an der Holzkohlerechnung.
  • Für eine Tonne Grillkohle braucht man drei Tonnen Holz.
  • Die Fabrik verbraucht über ...
  • Wir haben auch Buchführung.
  • So wissen wir, welche Bänke am ältesten sind
  • und als erstes wieder abgebaut werden.
  • Wir haben aber so viel Erfahrung, dass wir das auch im Kopf haben.
  • Nur einheimische Buche aus umliegenden Wäldern
  • wird in In Bodenfelde verwendet.
  • Eine weitere Quelle:
  • Über 200.000 Tonnen Grillkohle werden jährlich importiert.
  • Bei der Importkohle ist die Herkunft aber oft dubios.
  • Auch illegal geschlagene Tropenhölzer wurden in Grillkohle entdeckt.
  • Die Stämme werden in einem Spalter zerkleinert.
  • Sechs Leute arbeiten im Schichtdienst auf dem Holzplatz.
  • Jeder muss alle Maschinen bedienen können.
  • Eine Ausbildung für ihren Job gibt es nicht.
  • Thorsten Müller hat hier seinen Traumjob gefunden.
  • Das macht schon Spaß.
  • Nicht umsonst gehen viele Männer ...
  • ... auf so 'nen Baggerspielplatz.
  • Das macht schon Laune.
  • Ich bin jetzt 20 Jahre hier auf dem Holzplatz
  • und möchte nichts anderes machen.
  • * Knacken *
  • Zurück in der Lüneburger Heide im Museumsdorf Hösseringen:
  • Die erste Nacht am Meiler hat Köhler Arne Paysen hinter sich.
  • Mit dem Aufbau sind sie gestern Abend nicht mehr fertig geworden.
  • Wie dick willst du's haben?
  • Ganze Lage ist zu viel, ne? Nee, super.
  • Altes Heu tragen sie als Gründach auf.
  • Diese Schicht soll verhindern, dass die Erde,
  • die den Meiler zum Schluss abdichtet, ins Holz einrieselt.
  • Blätter oder Tannenwedel wären auch möglich.
  • Gut, dass es etwas angegammelt ist.
  • Das hält dann besser, lässt sich gut in die Ecken filzen.
  • Riecht nur unangenehm.
  • Heute hilft ihm Michael vom Museumsdorf.
  • Theoretisch kann man so was alleine machen.
  • Das haben die Köhler früher auch gemacht.
  • Man liest oft, dass Köhler nicht so gut gelitten waren.
  • Die gelten als Spinner, als nicht zurechnungsfähig.
  • Das ist auch den Arbeitszuständen zuzuschreiben.
  • Die saßen übernächtigt mit latenter Rauchvergiftung im Wald
  • und gaben nur Blödsinn von sich.
  • Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
  • Die Inspiration zu diesem Sprichwort lieferten auch die Köhler.
  • Über das Gründach kommt eine Schicht Erde.
  • Langsam sieht man was.
  • Dann geht's ans Anzünden.
  • Um den Meiler in Gang zu setzen, braucht Arne brennendes Holz.
  • Das Faszinierende an diesem uralten Handwerk:
  • Aus Hitze und Holz entsteht ein neuer Brennstoff,
  • der lange glüht, nicht brennt und auch leichter ist:
  • Holzkohle.
  • In spätestens drei Minuten können wir anzünden.
  • Das ist schon immer toll.
  • Endlich ist man mit dem Schaufeln einigermaßen fertig.
  • Wenn dann das Feuer im Meiler erst an ist,
  • dann wird's spannend.
  • Dann gib mir mal bitte die Schale und danach das Holz zum Anzünden.
  • Beim Aufbau des Meilers hat Arne in der Mitte einen Schacht gelassen.
  • In dem muss er jetzt ein großes Glutnest aufbauen.
  • Nach unten kommt die Zündquelle, darauf Holz, das schnell brennt.
  • Mit den Resten vom letzten Meiler füllt Arne den Schacht auf.
  • Da die Brände teils verkohlt sind,
  • verlieren sie langsamer an Volumen und der Feuerschacht bleibt stabil.
  • Das reicht gleich, dann können wir den Meiler zumachen.
  • Dann brauchen wir noch Stroh oben und dann komm ich schnell runter.
  • Zum Schluss wird der Schacht mit Erde verschlossen.
  • Einige Zuglöcher bleiben aber.
  • Das reicht erst mal.
  • Der darf nicht zu dicht sein, sonst hört er auf zu ziehen.
  • Die Luftzufuhr muss so gesteuert werden,
  • dass die Stämme nicht verbrennen, sondern verkohlen.
  • Die Farbe des Rauchs zeigt, wie weit der Prozess ist.
  • Erst ist der Rauch weiß und dicht:
  • Das ist Wasserdampf, der dem Holz entweicht.
  • In Bodenfelde wird seit 120 Jahren Holzkohle produziert.
  • Früher wurde sie für die Produktion von Eisen und Erzen gebraucht.
  • Ihre Grillleidenschaft entdeckten die Deutschen erst in der Nachkriegszeit.
  • Qualitätskontrolle wird im Werk großgeschrieben.
  • Auch während der Arbeitszeit wird gegrillt.
  • Eine gute Grillkohle erkennt man am hellen und klirrendem Klang.
  • * Klirren *
  • Durch den hohen Gehalt an Kohlenstoff sind die Stücke besonders hart.
  • Anders als Holz lässt sich Holzkohle schnell entzünden.
  • Sie glüht, statt zu brennen,
  • weil die flammenbildenden Gase entwichen sind.
  • In Bodenfelde richten die Azubis jeden Freitag
  • ein Bratwurstfrühstück für die Belegschaft aus.
  • Das hat seit Jahrzehnten Tradition.
  • Das Grillgut bringt der Schlachter aus der Nachbarschaft.
  • Passt genau. Danke.
  • Sie produzieren auch Briketts.
  • Aber für eine schnelle Runde nehmen sie grobstückige Holzkohle,
  • die glüht schneller durch.
  • Wir versuchen immer, zur Frühstückspause fertig zu sein.
  • Wenn wir über 100 Würstchen haben, ist das schwierig.
  • Aber meist kriegen wir's hin.
  • Wir machen jetzt welche drauf und legen sie zur Seite.
  • Wenn Leute 30 Stück haben wollen, dass wir welche da haben.
  • Ein paar Statistik-Fakten zeigen: Die Herren hier liegen im Trend.
  • 80 % der deutschen Männer grillen am liebsten selber -
  • und zwar Produkte aus Schweinefleisch.
  • Immerhin 30 % der Frauen finden Männer am Grill sexy.
  • 70 % aller Deutschen grillen am liebsten auf Holzkohle.
  • Die Zahl der Ganzjahresgriller steigt beständig.
  • Wer nicht gern grillt, ist fehl am Platz,
  • wenn wir hier Holzkohle produzieren.
  • Wenn man die Leidenschaft nicht hat, dann bekommt man sie.
  • Die Mitarbeiter bekommen als "Deputat"
  • 45 kg Holzkohle im Jahr gratis.
  • Eine Drei-Kilo-Tüte kostet im Laden bis zu 7 Euro,
  • mehr als doppelt so viel als manches Billigprodukt.
  • Gerd Webel vom Holzplatz managt auch den Werksverkauf.
  • Dort gibt es die Grillkohle günstiger.
  • Er holt jede Woche die Würstchen für seine Kollegen.
  • Ohne Grillen geht's nicht.
  • Das gehört dazu.
  • Die regelmäßige Qualitätsprobe muss auch sein.
  • Die Fabrik in Bodenfelde wurde 1936 gebaut.
  • Im Wesentlichen läuft die Herstellungsanlage
  • seit 82 Jahren unverändert.
  • Bernward Wosnitza ist der Produktionsleiter
  • und seit über 20 Jahren im Unternehmen.
  • Für mich als Ingenieur ist es interessant zu sehen,
  • was es hier in den 30ern aufgebaut wurde.
  • Da gab es noch keine Computer.
  • Trotzdem ist die Anlage idealistisch aufgebaut.
  • Alle Stoffströme werden genutzt, es gibt kaum Abfälle.
  • Energie wird immer wieder anders genutzt.
  • Die Buchenstämme werden
  • auf Kaminholzgröße zerkleinert und getrocknet.
  • Der Wasseranteil liegt jetzt bei 18 %.
  • Bei der Verkohlung schrumpfen die Holzstücke um zwei Drittel,
  • auf Idealmaß für Grillkohlestücke.
  • In diesen Stahlkesseln (Retorten), läuft der Zersetzungsprozess -
  • ähnlich wie in einem Meiler.
  • Retorten sind Behälter, wo das Holz reingegeben wird.
  • Das Holz wird dann mit einem Gas ohne Sauerstoff durchströmt.
  • Es brennt also nicht, sondern wird nur aufgeheizt.
  • Die Nano-Cellulose des Holzes zersetzt sich nach und nach.
  • Was über ist in der Retorte, ist die Holzkohle.
  • Alles andere wird ausgetrieben.
  • Um die fertige Holzkohle herauszuholen,
  • müssen die Mitarbeiter sich eine Schutzhaube mit Atemmaske anziehen.
  • Über Stahlrutschen wird die Kohle in zwei Kühlbunker geleitet.
  • Die Kohle ist mindestens 480 Grad heiß.
  • Wenn jetzt Sauerstoff dran kommt, fängt sie leicht Feuer.
  • Die Kommunikation untereinander ist wichtig,
  • trotz Lärm und schlechter Sicht.
  • Augenkontakt halten.
  • Oder Rufzeichen:
  • Wenn wir die Körbe rausnehmen, ein kräftige Ja rufen.
  • Dann weiß der andere Bescheid, dass wir die Körbe rausgenommen haben.
  • Weil immer Glut daneben gefallen sein kann,
  • wird vorbeugend alles abgelöscht.
  • Beim Verkohlungsprozess entstehen Flüssigkeiten
  • wie Teer und Essigsäure.
  • Hier im Werk wird aus ihnen u.a. flüssiges Raucharoma gewonnen.
  • Damit können Lebensmittel künstlich geräuchert werden.
  • Weil die Flüssigkeiten ausgetrieben wurden,
  • ist Kohle leichter als Holz.
  • Gute Grillkohle ist staubfrei
  • und besteht aus gleichmäßig großen Stücken.
  • Zu kleine Stücke werden zu Briketts verpresst.
  • Die Briketts bestehen aus drei Zutaten:
  • Kohlenstaub, Stärke und Wasser.
  • Diese europäische Regelung
  • ist so streng wie das deutsche Reinheitsgebot für Bier.
  • Thorsten Schäfer und Kollegen wachen über das Verfahren.
  • Der Mitarbeiter überprüft, ob die Walzenpresse gut arbeitet.
  • Die Form der Grillis muss passen.
  • Sie müssen parallel zueinander stehen.
  • Die Probe am besten mit dem Daumen,
  • ob das Grilli sich leicht zerbrechen lässt
  • Oder ob es Kraft bedarf.
  • Das Brikett darf nicht zu leicht zerbröckeln.
  • Der komprimierte Kohlenstoff sorgt für eine noch höhere Energiedichte.
  • Deswegen glühen Briketts länger.
  • Für den Transport müssen sie stabil sein.
  • Gefordert ist eine Druckfestigkeit von 16 kg pro Quadratzentimeter.
  • Umso fester das Grilli ist, desto besser ist seine Stabilität.
  • Kenner merken beim Schütteln einer Tüte Grillkohle,
  • ob die Qualität stimmt.
  • Schlecht sind große Mengen Staub und zu grobe Stücke.
  • Zertifikate zeigen, ob nachhaltig produziert wurde.
  • In der Lüneburger Heide ist heute ein großer Tag.
  • Arne Paysen öffnet seinen Meiler.
  • Seine Kohle soll zugunsten des Museumsdorfs verkauft werden.
  • Die Holzschuhe dienen zur Isolierung, denn am Meiler wird es heiß.
  • Sieben Tage hat er hier campiert.
  • Sein Bauwerk ist um zwei Drittel geschrumpft
  • und der Rauch ist durchsichtig.
  • Daran kann Arne erkennen,
  • dass alle Substanzen aus dem Holz ausgetrieben wurden.
  • Dem Meiler geht's gut, der ist fertig durchgekohlt.
  • Ich hab mit 'ner Holzlanze geguckt, wie es sich drinnen anfühlt:
  • Es knirscht überall.
  • Nirgendwo ist fester Widerstand,
  • es ist also fast alles zu Holzkohle geworden.
  • Seine Ware soll auf den Grill, dabei kann Holzkohle viel mehr.
  • Man setzt sie auch als Filterstoff ein,
  • weil sie wie ein Schwamm Bakterien aufsaugt.
  • Wir sind jetzt so weit. Wunderbar.
  • Wir können den Meiler aufmachen und Kohle raufbringen.
  • Du siehst, was da reinpasst. Wie viel brauchst du?
  • Wie berechnest du das: Kilo, Tonne?
  • Zeig einfach, wie viel Kohle rein muss.
  • Bis hier, drei Viertel. Alles klar, bring ich dir.
  • Das ist so, als wenn ich mein eigenes Schwein verwurste.
  • Da weiß ich, was ich kriege.
  • Da sieht man, wie sie gemacht wurde.
  • Dann können wir unsere Steaks braten und nachher tüchtig ...
  • ... essen.
  • Ne?
  • Da haben wir die Kohlen.
  • Wart mal kurz, mal lauschen.
  • * Leises Knistern *
  • Hörst du das Knistern? Ja. Die brennt, das ist gut.
  • Die können wir gleich für den Grill nehmen.
  • Gute Grillkohle sollte nicht unangenehm riechen.
  • Das ließe darauf schließen,
  • dass noch nicht alle Säuren und Gase entwichen sind.
  • Die fängt an zu brennen, dadurch, dass sie Luft kriegt.
  • Jetzt kann ich die zum Grill bringen.
  • Achtung: Kohlen!
  • Wunderbar.
  • Tu mal auf den Haufen mit drauf.
  • Das Köhlerhandwerk
  • gehört zum Immateriellen Kulturerbe Deutschlands.
  • Arne will das Wissen um diese Kunst bewahren und weitergeben.
  • * Knistern *
  • Das ist insgesamt ein Handwerk, wo man ...
  • ... fühlen muss, was los ist.
  • Man kann in den Meiler nicht reingucken.
  • Man muss ein Gefühl dafür entwickeln und das wird mit jedem Mal besser.
  • Ist schöne Kohle. Ja, das ist richtig gut.
  • Die mit Asche und Holzkohle angereicherte Erde
  • ist reich an Nährstoffen.
  • Holzkohle dient dabei als Speicher für Mineralien.
  • Die Asche vom Grill
  • kann man abgekühlt auch auf dem Kompost entsorgen.
  • Arnes Kohle muss sich heute auf dem Grill bewähren.
  • Schmeckt dir die Bratwurst? Sehr lecker. Das ist so.
  • Hätte das 'ne schlechte Qualität, dann würde das in Flammen aufgehen,
  • weil ich das in den Wind halte.
  • Diese glüht langsam vor sich hin und ist trotzdem super heiß.
  • Da hat Arne hervorragende Kohle hergestellt.
  • Ganz toll.
  • Wie sieht's aus? Machen wir 'n Geschäft?
  • Wurst gegen Kohle?
  • Ich hab dir 'ne Wurst mitgebracht. Danke.
  • Und ich brauch noch Kohle. Bring ich gleich.
  • Bringst du mir noch was hoch? Machen wir.
  • Damit die heiße Kohle aus dem Meiler nicht weiter verbrennt,
  • löscht Michael sie vorsichtig mit wenig Wasser ab.
  • Das verdampft sofort.
  • 1000 Kilo hat Arne in einer Woche produziert.
  • Einen uralten Brennstoff, der im Wald nachwächst,
  • und uns wohl weit über jeden Grilltrend hinaus begleiten wird.
  • Man kann aus Holzkohle sogar Diamanten pressen.
  • Man stellt auch Werte her:
  • Man geht mit der Schaufel in den Wald und kommt mit Kohle wieder.
  • Das fasziniert mich, dass es auch einfach geht.
  • Copyright Untertitel: NDR 2018

Download subtitle

Description

Norddeutschland hat in Sachen Grillkohle ein Alleinstellungsmerkmal: In Bodenfelde an der Oberweser steht Deutschlands einzige Grillkohlefabrik. 30.000 Tonnen Holzkohle werden dort pro Jahr hergestellt. Die restlichen 215.000 Tonnen, die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden, kommen aus dem Ausland, unter Umständen sogar aus illegal geschlagenem Tropenholz hergestellt.

In Bodenfelde gibt es so etwas nicht. Das benötigte Holz stammt aus den umliegenden Wäldern. Es ist so genanntes Industrieholz, das bei Durchforstungen anfällt. "Kein Baum wird extra für die Grillkohleproduktion entnommen, wir verarbeiten außerdem Kronenholz und unbehandelte Holzabfälle aus der Möbelproduktion", sagt Benedikt Wingen, der Holzeinkäufer des Grillkohlewerks.

Damit aus dem Holz Grillkohle gewonnen werden kann, braucht es vor allem Hitze und ein Verfahren, das es in den Grundzügen bereits im Mittelalter gab.

Auch im Museumsdorf in Hösseringen in der Lüneburger Heide wird Holzkohle hergestellt. Dr. Arne Paysen ist eigentlich Schmied. Aber der Mann hat Geschichte studiert und seine Doktorarbeit über nachhaltige Energiekonzepte im Mittelalter geschrieben. Er stellt Holzkohle her wie vor Hunderten von Jahren. Dafür baut er einen besonderen Ofen, einen sogenannten Meiler. Eine Woche lang wacht er dort während der Holzkohleproduktion Tag und Nacht. Schließlich könnte der Meiler sogar explodieren.

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Solche Sprüche sind entstanden, weil die Köhler früher rußverschmierte, oft ein wenig wunderliche Käuze waren! "Der viele Rauch und fehlender Schlaf tun auf Dauer einfach nicht gut", sagt Arne Paysen.

Ob am Meiler in der Heide oder in der Fabrik an der Weser: Die Köhler nehmen regelmäßig "Geschmacksproben". In Bodenfelde werden die Mitarbeiter sogar jeden Freitag um 8.30 Uhr mit einem "Bratwurstfrühstück" versorgt.

Mehr dazu gibt's hier: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/Wie-geht-Grillkohle,sendung781362.html

Trending videos